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Der Gamesload Cloud Service im Test

“Gameblogger. Angetreten. Testen.” hieß es neulich, als ich mich meldete, der Beta-Phase des neuen Gamesload-Services einen Besuch abzustatten. Es fiehl das Stichwort “Cloud-Gaming” – meine ersten Intentionen? Cloud? Cloud wie Daten-Cloud? Cloud wie Server-Cloud? Tatsächlich basiert das Prinzip, auf dem der neue Service beruht auf diesem Prinzip, welches auch für die Next-Gen Konsolen angekündigt ist: Ein Spiel ist auf dem Server des Anbieters installiert und kann, (fast-)unabhängig von Grafikkarte und System, im Webbrowser abgespielt werden.

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Das klingt ein wenig utopisch. Und – für mich als Hobbyprogrammiererin – nach viel Aufwand, Datenfresserei und Datenschutzbrüchen. Inwieweit sich diese Ängste und Hoffnungen bestätigen, erzähle ich euch im weiteren Verlauf.

Was als erstes ins Auge sticht: Das Grid-Layout. Finde ich es bei vielen Portfolios und Präsentationen überladen und unübersichtlich, finde ich die grobe Aufteilung seitens Gamesload ansprechender, als den normalen Service der Seite. Nachdem ich mich ein wenig hineinfuchsen musste, finde ich jedoch schnell in einem Reiter den Link zu den “Cloud Games” . Die Aufteilung ist noch simpler und noch übersichtlicher, was u.a. an der “Übersichtlichkeit” der Spieleauswahl liegt, aber genretechnisch ist für jeden was dabei: Point’n’Click Adventures wie Deponia, Action Games wie Resident Evil 5 oder Devil May Cry 4 oder Strategiespiele wie Stronghold.

Gespielt werden kann via Maus und Tatatur oder aber eben über Gamepads. Preistechnisch liegen die Titel derzeit über der Norm. Man leiht sich sozusagen die Spiele, indem man sich zeitbegrenzten Zugang zu den Cloud Games erkauft – unterschieden wird zwischen dem 1-Tages Pass für 1,95€ und dem 30-Tages Pass für 9,95€. Alle Spiele lassen sich darüber hinaus für ca. 10 Minuten kostenlos testen.

Ich muss schmunzeln. Wie bitte sollen diese Spiele einwandfrei laufen? Um meine Erwartungen nicht zu übersteigen, starte ich als erstes Deponia, welches ich bereits als Let’s Play gespielt habe. Man muss nur kurz das Plugin (2,30 MB) installieren und schon kann man starten. Wenn man sich vorstellt, man würde auf YouTube die Videoqualität auf 360p herunterstellen, hat man in etwa die Qualität die einen derzeit bei den Cloud Games erwartet. Mal weniger, mal stark verpixelt – aber: flüssig. Bei meiner 100Mbit/s Leitung (in LAN Verbindung) läuft das Spiel flüssig und die Tonqualität ist glasklar, so wie beim “festplattenbesetzten Original”. Animationen, die auf Flash aufbauen, ruckeln und zuckeln jedoch gewaltig.

Mit einer WLAN Verbindung jedoch bekam ich das Spiel aufgrund der variablen Übertragungsrate gar nicht erst zum Laufen – ein mageres Ergebnis für den Service. Und hier das daraus folgende Manko: Startet man ein Spiel, welches sich aufgrund mangelnder Internetverbindung nicht gleich lädt, so verfällt sofort die freie Testzeit, die man für ein Spiel zur Verfügung hat. Ich finde das doch sehr ärgerlich, kann man das als User doch einfach beheben, indem man sich ein Ethernetkabel schnappt.

Desweiteren testete ich Resident Evil 5 und Devil May Cry 4 (auch im Testvideo zu sehen) und muss sagen: Klar handelt es sich hier um kräftiges Downscaling der Grafikauflösung, aber die Spiele mit halbwegs vernünftiger Grafik ruckelfrei im Browser darzustellen, erstaunt mich schon. Kann man mehr erwarten, wenn sich der Service nicht mehr in der Betaphase befindet? Lichtreflexe und Lichtstimmungen, wie die Sonnenstrahlen in Resident Evil 5, werden trotzdem so angezeigt, dass man die gleiche Lichtstimmung wie auf dem Fernseher bekommt. Bei YouTube Videos überzeugen diese Werte nicht. Die Tastenabfrage bzw. die Controllerabfrage läuft sauber und unkompliziert. Beim Schießen beispielsweise stellt sich jedoch eine leichte Zeitverzögerung ein, was sich in Resident Evil 5 im Kampf gegen Zombiehorden fatal auswirken könnte. In Devil May Cry 4 ist zu meiner Verwunderung davon wenig zu merken. Cutscenes und Kämpfe (Beispielkampf im Video) laufen bei mir flüssig und ruckelfrei. Ich muss gestehen, dass ich ein gutes Ergebnis am wenigsten von Devil May Cry erwartet hätte, beruht die Handlung des Spiels doch auf Schnelligkeit im Bezug auf Kampf und Kombinationsmöglichkeiten. Der Vorteil des Cloud Gamings ist hier ganz klar: Ich habe ein Pendant zu Nintendos und Sonys Steaming-Service. Ich speichere ein Spiel von meinem Rechner aus ab und spiele es dann vom Laptop aus im Bett weiter. Oder vom Sofa aus. Oder im Zug. Ihr wisst worauf ich hinaus will. Dieser Spass gilt aber nur solange, und hierbei wäre der Nachteil zu erwähnen, wenn man auf Grafikqualität verzichten kann. Diese Grafikfehler habe ich persönlich das letzte Mal auf YouTube gesehen, als ich noch eine 10Mbit/s Leitung hatte und wurde wieder daran erinnert, warum ich 30€ mehr im Monat in eine 100Mbit/s Leitung investiere.

Wie sieht das denn eigentlich mit meinem Lieblingsthema, dem Datenschutz aus? Und auch hier scheint die Telekom einen Imagewandel zu verfolgen. Der verfasste Text ist idiotensicher. Es ist tatsächlich ein Datenschutztext, den jeder verstehen kann, zusätzlich der Transparenz, dass einem Gamesload genau erklärt, welche Daten wieso und wofür gespeichert werden – und, wie man sie anfordern und löschen lassen kann. Das klingt schon fast nobel und so uneigennützig, dass man es in Zeiten von NSA-Affären und Datensicherungsbetrugs gar nicht glauben mag oder will. Einerseits bittet mich Gamesload nicht, relevante Daten wie meinen Namen oder Telefonnummern anzugeben, andererseits geben die Datenschutzbestimmungen vor, dass Verhaltensdaten unter einem Pseudonym, ohne Verbindung zu meiner Person, abgespeichert werden können. Ich werde hellhörig. Natürlich geschieht dies nur zur Nutzungsoptimierung.

Fazit: Der neue Service von Gamesload läuft in der Beta-Version schon mal flüssig und ruckelfrei, was mich besonders verwundert hatte. Um Spiele unterwegs zu spielen oder aber für diejenigen, die noch keinen besonders großen Wert auf hochwertigste Grafik legen, ist der Service ideal, um Spiele, die man sich mal kaufen wollte, anzutesten. Mit fast zwei Euro finde ich die Tages-Nutzungspreise jedoch ein wenig heftig. Das übersteigt alle Videotheken bis auf die infrastrukturell abgeschnittenen – 1,49€ als Tagespreis könnte ich wohl noch verkraften. Zudem muss man bedenken, dass es sich bei den momentan verfügbaren Titeln um ältere Spiele handelt. Lässt sich hoffen, dass es Gamesload schafft, auch neuere Titel flüssig in das System einzubauen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Cloud Gaming Service von Gamesload ein super Feature zum Spiele testen ist, was aber aufgrund seiner Konkurrenz zur Videothek, entweder an Preis oder Qualität noch weiter feilen muss.