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Film Review: Warm Bodies

Wir kennen das ja, mittlerweile müssen wir, wenn wir Vampire sehen, entweder daran denken, wie sehr uns “Der kleine Vampir” als Kind beschäftigt hat, oder wir versuchen krampfhaft den Brechreiz gegen die Gedanken an die Twilight-Reihe zu unterdrücken. Gut, ich mache mir mit meinem Einleitungssatz bestimmt nicht allzu viele Freunde, aber ganz ehrlich: Woran müssen wir denken, wenn wir das Wort “Zombie” hören? Im besten Fall an die klassische “Resident Evil”-Serie oder an Filme wie “Land-/Schaun-/Dawn-/Highschool-etc. of the Dead”. Aber funktioniert das Prinzip “Liebeskomödie + Zombieapokalypse”? Denn genau das versucht Warm Bodies.

 Yadeperlen

2010 erschien das gleichnamige Buch von Autor Isaac Marion (was laut eigener Aussage “von Romeo und Julia inspiriert ist”), welches als Vorlage für den Film von Jonathan Levine diente, der einzig und allein mal so im Munde aller war, als sich alle “All the boys love Mandy Lane” in der Videothek ausliehen. Ihr wisst schon… der Trashfilm, indem das beliebte Highschoolflittchen ihre Verehrer abschlachtet, weil niemand auf ihre inneren Werte achtet. Zurück zu “Warm Bodies”. Gespielt wird das paranormale Zombie-Liebesdrama von Nicholas Hoult (kennt man als besten Freund aus “About a boy” oder aus der Neuinterpretation von Jack und die Bohnenranke, die dieses Jahr ins Kino kommt) und Teresa Palmer (kennt eh kein Mensch) in einer fiktiven Stadt in der irgendwas die Menschen zu Zombies macht. Ja, irgendwas. Wer sich auf eine Vorgeschichte wie in Resident Evil oder allen anderen Zombiefilmen gefreut hat, weit gefehlt. Es geht um R. Einfach R. Er kann sich nicht mehr als seinen Anfangsbuchstaben erinnern und irrt so durch die Welt. Wie alle anderen. Zombies, die zu lange Zombie sind, werden zu so genannten “Knochen”: skelettartige Wesen ohne Herz und ohne Moral, die blutrünstiger alles lebende Ausrotten, als die “lahmen” Zombies an sich. Der Rest der lebenden Bevölkerung zog sich eingekesselt von “der Mauer” in eine eigens inszenierte Stadt zurück. Soviel zum Szenario.

Vorweg: Ja, der Film ist triefend kitschig. Aber, aufgrund der Zufälle, wie sich R. und Julie näher kommen, kann man hier von “entkitschtem Kitsch” reden, der in einem anderen Szenario absolut undenkbar wäre. Vielmehr macht dieser “unlustige Spass” (was z.B. dadurch entsteht, wie R. denkt, sich aber Julie gegenüber verhält) Lust auf mehr und wird von dem absolut genial gewählten Soundtrack unterstrichen. Es gibt viele Anspielungen zu Romeo und Julia aber auch zu anderen Liebesfilmen, die beim Entdecken auch nochmal eine geballte Ladung an Lachmuskelreizungen und… Tränen verursachen. Der Film drückt auf charmante Art und Weise, nicht zu penetrant auf die Tränendrüse. Ein surrealer Kontext, der aber dabei aufrichtig und ehrlich wirkt und eigentlich… vielleicht… doch viel mehr Gesellschaftskritik ist, als man vermuten mag.

Ich habe mich, ehrlich, seit langem, mal wieder gut unterhalten gefühlt. Mit einer Thematik, die ich sehr gerne mag (Zombies), obwohl ich ernsthaft Angst hatte, dass das ganze so unfreiwillig trashig wird, wie ich es für die Twilight-Saga fühle. Ich danke dem Regisseur dafür, den Protagonisten in eine unsichere, neue Umgebung zu setzen, ohne ihm dabei zu klischeehafte, veraltete Teeniefilm Attribute mitzugeben (z.B alles fallen zu lassen). Auch Julie wirkt in ihrer Rolle als (ja was ist sie eigentlich?) Militärgehilfin und Generalstochter mal rebellisch, mal devot und mädchenhaft, ohne das Bedürfnis in mir zu wecken, sie hassen zu müssen. Der Film ist alles in allem nicht wirklich gut (was vor allem die CGI’s angeht, aber das weiß eigentlich jeder aus dem Trailer), aber anders, erfrischend, berührend und ironisch witzig. Und der Soundtrack ist wirklich toll. “Midnight City von M83” passt genauso gut in einigen Szenen, wie “Hungry Heart von Bruce Springsteen”. Er ist ein guter Abschluss für einen Tag, an dem man einfach die Füße im Kino hochlegen möchte und einfach gut unterhalten werden möchte. Mit tiefsinnigen Themen, die nicht zu anstrengend präsentiert werden.

Wer sollte sich den Film ansehen: Alle, die an die wahre Liebe glauben. Alle die, die ein bisschen träumen und lachen wollen. Alle die, die das Leben und die Menschen nicht zu ernst nehmen. Leute, die Scott Pilgrim und Kick Ass mögen.

Wer sollte sich den Film nicht ansehen: Männer. Höchstens auf DVD. Alleine. Spass beiseite. Leute, die fest am alten Zombie-Genre (muss man abschlachten, sind böse, töten töten, töten) festhalten und sich nicht für 120 Minuten davon lösen wollen und alle Leute, die viel Wert auf Action legen.