Kolumne

Big sister is watching you

eifersucht

Es wird Herbst auf der Welt. Die freizügigen Mädchen verpacken ihre glattrasierten Schenkel wieder in mehrlagigem Stoff und auch die Herren ziehen sich mittlerweile gern ein Jäckchen über, wenn die Temperaturen des Abends wieder auf einstellige Zahlen zurück fallen. Der Sommer und der Frühling hinterließen ihre Spuren und wie die Pollen der Blumen, haben auch die Hormone ihre Früchte gesät und werden der weilen geerntet. Ja, der Herbst ist die schönste Zeit um ein Pärchen zu sein: Es wird kalt und trist und jede Gelegenheit, sich in ein warmes Nest zu kuscheln wird als willkommene Einladung entgegen genommen.

Es ist schön anzusehen, wenn Menschen sich gefunden haben, sich ergänzen und so zu noch wunderbareren Wesen werden. Jeder kennt das, wenn man frisch verliebten ansieht, wie glücklich sie durch Herbstlaub schlendern und dabei nicht mal Gebrauch der neuen Urbay Decay Palette machen müssen, um diesen rosig-roten Hauch auf ihren Wangen zum erleuchten zu bringen. Und dann gibt es diese andere Sorte Pärchen. Ihr wisst schon, die, die wie in einem Science Fiction Film mit einem Hyperlaser zu einer Person zusammengeschmolzen wurden. Und wie bei dramatischen Geburten von zusammengewachsenen Kindern muss einer sein Leben lassen, damit beide irgendwie existieren können. Diese Pärchen.

Ein guter Freund meinerseits verwandelte sich in solch ein Symbioseobjekt. Dachte ich anfangs noch, dass das verliebt-sein und die Arbeit die Zeit für Unternehmungen raubten, eröffnete sich mir vor einiger Zeit, wie es zu diesem Abriss der Abwesenheit in meinem Leben gekommen war. Es war das Zitat, welches keine Frau seit Anbeginn der Zeit hören wollte: “Eigentlich darf sie nicht wissen, dass wir etwas unternehmen.” Diese Worte machten eine Frage unumgänglich: “Wann war ich der Feind geworden?” Ein längeres Gespräch, eine tausendfache Ausführung meines Augenrollens und zwei Schnäpse später hatte ich erfahren, dass die Angebetete chronisch eifersüchtig sei.

Es mag nicht von hervorragender Intelligenz zeugen, sich einen Partner zu suchen, der weniger anbrennen lässt, als Mrs. Doubtfire in der Küche, jedoch kam ich nicht umher, mich zu fragen, wie es möglich war, mich zu verdächtigen, einer Frau den Mann auszuspannen. Dieses Spielchen ging eine Weile. Und da auch ich nicht völlig grenz debil bin, wurde auch meine Präsenz im Leben der beiden langsam aber sicher geringer. Manchmal, wenn sich Dinge wiederholen, bilden sich Muster. Ob das nun auf einem Karohemd passiert oder in Handlungsweisen von Menschen ist dabei egal. Mag man sich bei Karohemden noch darüber freuen, so gibt es Situationen, die einem bei wiederholten Handlungsweisen von Menschen einen zynischen Spruch entlockten.

“Ich wollte mich mal wieder melden. Das habe ich ja schon so lange nicht getan.” “Ah, wieder Beziehungsstress?” –  die verneinte Frage bejahte sich jedoch selbst im weiteren Verlauf des Tages, als sich bei einem normalen kleinen Shopping-Trip herausstellte, dass die Angebetete ohne ihren Liebsten auf ein Festival gefahren war. War diese Freundschaft überhaupt existent. In solchen Momenten kommt man sich vor wie ein super billiges Videospiel aus dem Steam Summer Sale, dass immer dann herausgekramt wird, wenn nichts besseres vorhanden ist.

Und wie es bei jedem billigen Videospiel der Fall ist, sollte man sich auch manchmal zwischenmenschlich fragen: “Will ich das?”. Bei Videospielen hat man es wesentlich einfacher. Es gibt Rezensionen, geschrieben, manchmal in diplomatischer, manchmal in emotionaler Feder, die einem außenstehenden Betrachter weiterhelfen sollen. Haben wir Menschen dieselben Rezensionen für uns selbst erschaffen? Und wenn ja, wo stehen diese praktisch übersichtlich verfasst? Ich beschloss also eben besagten Freund zu fragen, ob wir nicht wieder einmal shoppen wollten. Dass die Anwesenheit seiner Freundin jedoch eine Rolle spielen würde, hatte ich dabei nicht bedacht.

Auf eine einfache Frage erhielt ich etwas, was mir die Kinnlade offen stehen ließ. Kennt ihr das, wenn Menschen un typischerweise vollkommen andere Worte finden, als normalerweise? Ich bekam einen diplomatischen, gefühlskalten Text, der mich wissen ließ, dass er seinen Schatz über alles liebe und solche Aktionen nur für die Angebetete vorgesehen waren. Shoppen. Der Text war so verfasst, als wäre er für die Angebetete bestimmt, wenn sie das Handy ihres Liebsten durchsuchen würde.

Und ich war das, gegen das man die Harmonie verteidigen musste. Ich war der Feind. Ich hatte meine Rezension erhalten. Ich las die Bewertung dieses Videospiels und entschied mich dafür, dass es mir die Investition nicht wert war. Ich entfernte das Spiel aus meiner Sammlung und kochte mir einen fruchtigen, warmen Tee. Denn Tee ist lecker, wärmt von innen und ist einfach herrlich im Herbst.