26 games – A wie Alan Wake

Es ist kein See. Es ist ein Ozean.

ss_f170826d05d879737d0d3946b5b1f2331bbffa4e.1920x1080

26 games ist ein Projekt von arrcade.de – jeden Sonntag gibt es einen Buchstaben, der für den Anfangsbuchstaben eines Spiels steht. Egal ob Anekdote, Video, Gedicht oder Gedanke – alles ist erlaubt. Heute: A wie Alan Wake – ein bisschen Kritikkotzerei.

Es gibt wohl kaum ein Spiel, auf das ich mich so gefreut habe, wie auf Alan Wake für den PC. Es dauerte schließlich auch ein gutes Jahr, das ich wartete, ehe es erschien. Soviel so gut. Ich begann also zu spielen und war begeistert: Das Spiel hatte eine tolle Atmosphäre, eine verschwommene Story, die es mehr und mehr zu entschlüsseln galt. Es wirkte alles ein wenig wie in Stephen King’s “The Shining.”

Das Spiel spielt im beschaulichen Örtchen Bright Falls, nähe Washington, an den sich der Buchautor Alan Wake zusammen mit seiner Frau Alice zurückzieht, um sich nach den Strapatzen des Erfolges und einer Schreibblockade zu erholen. Doch statt des Platzwartes erwartet uns eine mysteriöse Frau, die vorgibt, die Landbesitzerin zu sein. Das Haus, das wir uns gemietet haben, ist jedoch so gar nicht das, was wir in der Broschüre gesehen haben. Und dann beginnt das Unheil.

Das Spiel schafft es, dank seiner wundervollen Atmosphäre, eine Stimmung aufzubauen, die sehr unheimlich und bedrohlich wirkt, in etwa so, als wurde man tatsächlich einen Stephen King Roman lesen. Die Grafik kann hierbei Abstriche machen, da Texturfehler und Kantenflimmern eher diesen Effekt noch verstärken, als ihn negativ zu beeinflussen. Auch die Versetzung der Kamera, sodass man Alan immer etwas schräg sieht, hat mich anfangs doch eher positiv überrascht. Wie in einem typischen Stephen King Roman, ich denke hier besonders an “Secret Window, Secret Garden” bekommt man nur häppchenweise Handlungsschritte zugeworfen, die auf den Protagonisten, hier Alan Wake, genauso verwirrend wirken wie auf den Spieler selbst. Man wird trotz seiner vermeidlichen Angst, neues zu erfahren, dazu “gezwungen” weiterzumachen, um zeitlich zurückliegende Fragen aufzudecken. Ein in sich gelungenes Konzept. Der Schwierigkeitsgrad variiert hierbei. Es gibt Gegner, die lassen sich bei minimaler Energieanzeige durch einfaches wegrennen abschütteln, andere Gegnerhorden verlangen einem ab, sich mit der Steuerung auseinandersetzen zu müssen. Die Synchronisation lässt mich in der deutschen Version schaudern. Ohne hier zu viel meckern zu wollen, sage ich: Man sollte es auf Englisch spielen.

Achtung Spoiler ! Aber es gibt diesen einen Kritikpunkt an diesem Spiel, der mich fast zur Verzweiflung brachte. Das Spiel ist, wie ein Buch, in Kapitel aufgeteilt, in denen Alan sein eigenes Werk “durchspielen” muss. Er erlebt seine eigene Geschichte und muss diese richtig stellen. Im achten Kapitel gibt es den sogenannten “Klicker”, einen Trigger, wie man ihn bei der Hundeerziehung einsetzt. Alan erfährt, dass es einen Scheiber gab, der diesen Klicker einsetzte, um sich selbst daran zu erinnern, was real und was surreal ist. Und hier – auch wenn es zu offensichtlich gewesen wäre – hätte ich mir einen Fortlauf wie bei The Sixth Sense gewünscht: Alan erkennt, dass er lediglich eine Romanfigur eines anderen Schriftstellers ist. Und muss sich damit auseinandersetzen, dass er und seine Geschichte nicht mehr als Fiktion sind. Stattdessen nimmt die Geschichte einen sehr verwirrenden und absurden Verlauf ein, wirft in den letzten 5 Minuten round about 6 neue Charaktere ins Spiel, was sich zwar prima für einen zweiten Teil eignen würde, jedoch am Ende Verwirrung und Unzufriedenheit hinterließ – bei mir zumindest.

Nichtsdestotrotz ist Alan Wake ein schönes Spiel, was mir sehr schöne Stunden mit einer einigermaßen gut gelungenen Steuerung, einer dichten Atmosphäre und tollen Charakteren bescherrte. Für eine Überbrückungszeit zwischen zwei Videospielen ist es aufjedenfall empfehlenswert.

2 thoughts on “26 games – A wie Alan Wake

Kommentar verfassen